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Thermische Messungen

 
 

INFO: Die Wärme eines Körpers ist die Bewegungsenergie seiner Atome oder Moleküle. Je schneller sie sich bewegen, desto wärmer ist der Körper. Das Ausmaß, in dem ein Körper erwärmt ist, seinen Wärmezustand, bezeichnet man als seine Temperatur. Sie ist eine Basisgröße im SI-Einheitensystem und wird wegen der Art ihrer Festlegung thermodynamische Temperatur oder Kelvin-Temperatur genannt. Ihre Einheit ist das Kelvin (Einheitenzeichen K). Ein Kelvin ist der 273,16te Teil der thermodynamischen Temperatur, die durch den absoluten Nullpunkt und den Tripelpunkt des Wassers festgelegt ist.

Neben der Kelvin-Skala, die vor allem im wissenschaftlichen Bereich verwendet wird, ist die Celsius-Skala vom Gesetz zur Temperaturmessung zugelassen. Ihre Bezugspunkte sind der Schmelzpunkt des Wassers (0°C) und sein Siedepunkt bei 1,013 bar (100°C). Die Temperaturintervalle der Kelvin- und Celsius-Skala sind gleich groß: 1 K = 1°C

Der absolute Nullpunkt (T = 0 K) in Celsius-Graden ist somit -273,15°C, der Siedepunkt des Wassers (= 100'C) in Kelvin-Graden beträgt T = 373,15 K.

In den angelsächsischen Ländern wird oft noch die Fahrenheit-Skala verwendet. Ihr Nullpunkt ist die tiefste bei ihrer Einführung 1724 bekannte Temperatur (- 17,78°C). Sie besitzt keine Dezimalteilung, so daß der Schmelzpunkt des Wassers bei + 32°F, sein Siedepunkt bei + 212°F liegt.

Kaum noch verwendet wird die Reaumur-Skala (frz., sprich: reornür), deren Nullpunkt die Temperatur des schmelzenden Wassers ist (0°R) Der Temperaturunterschied zum Siedepunkt des Wassers ist in 80 Einheiten eingeteilt, so daß der Siedepunkt des Wassers 80°R beträgt.

 
     
 
Temperatur-Meßgeräte:

 

Temperaturmeßgeräte machen sich in verschiedener Weise eine mit der Temperaturänderung verbundene Änderung von Stoffeigenschaften zunutze.

Flüssigkeitsthermometer:
Das Volumen einer Flüssigkeit hängt von ihrer Temperatur ab; beim Erwärmen vergrößert sich das Volumen, beim Abkühlen verkleinert es sich. Füllt man eine Flüssigkeit deshalb in ein Glasrohr und erwärmt sie, dann dehnt sie sich aus, d.h. sie steigt im Rohr nach oben. Die Temperaturänderung und das Ausmaß der Ausdehnung stehen in einem festen Verhältnis zueinander, so daß man eine Skala anbringen kann, von der man für jeden Flüssigkeitsstand die zugehörige Temperatur ablesen kann. Damit die Flüssigkeit nicht verdampft, müssen die Glasrohre verschlossen sein.
Hinweis zur Arbeitssicherheit: Die für die Flüssigkeitsthermometer angegebenen Arbeitsbereiche dürfen nicht überschritten werden, da bei Überhitzung ein Überdruck die Glasrohre zersprengt.

Das Quecksilberthermometer kann im Bereich von - 39 °C (Erstarrungspunkt des Quecksilbers) bis + 350°C verwendet werden. Füllt man den Raum über der Quecksilberoberfläche mit Stickstoff, dann läßt sich der Temperaturbereich auf + 600°C ausdehnen. Eine weitere Steigerung auf + 750°C erreicht man, wenn man das Glasrohr durch ein Quarzrohr ersetzt.
Alkoholthermometer sind meist mit Ethanol gefüllt und für Temperaturen zwischen - 100°C und + 70°C zu benutzen.
Tieftemperaturthermometer werden für Messungen zwischen - 190°C und + 20°C verwendet. Sie sind mit den Kohlenwasserstoffen Pentan oder Petrolether gefüllt.
Bei Flüssigkeitsdruckthermometern ist eine Flüssigkeit (Quecksilber oder Öl) in einer Röhre eingeschlossen, die sich beim Erwärmen ausdehnt und durch ihren Druck ein Hebelsystem und einen Zeiger bewegt.
Abbildungen unter Laborgeräte/Thermometer

Sonstige Thermometer:
Bimetallthermometer:
Hier nutzt man die durch Temperaturänderungen bewirkte Längenänderung von Metallstreifen aus. Legt man Streifen zweier verschiedener Metalle aufeinander, verbindet sie z.B. durch Nieten und erwärmt sie, dann dehnen sie sich in unterschiedlichem Maße aus. Die Folge ist, daß sich der Bimetallstab krümmt. Mit einer Bimetallspirale, an deren freiem Ende ein Zeiger befestigt ist, kann man auf diese Weise sehr geringe Temperaturunterschiede messen. Bimetallthermometer verwendet man bis + 500°C.
Thermoelement (thermoelektrisches Pyrometer): An der Berührungsstelle von Drähten unterschiedlicher Metalle entsteht eine Spannung. Man verlötet zwei Metalldrähte, erhitzt die Lötstelle und mißt die Spannung an den kalten Drahtenden. Sie ist ein Maß für die Temperaturdifferenz zwischen Lötstelle und den kühleren Drahtenden und wird in den Thermoelementen direkt in Celsius-Graden geeicht.
Elektrisches Widerstandsthermometer: Der Stromfluß in Metallen ist temperaturabhängig. Je wärmer ein Metall ist, desto weniger Strom fließt (sein elektrischer Widerstand steigt). Eicht man den Stromfluß direkt in Celsius-Graden, dann erhält man ein elektrisches Widerstandsthermometer, das bei Temperaturmessungen zwischen -250°C und + 1500°C eingesetzt werden kann.
Pyropter (optisches Pyrometer): Das von einem glühenden Körper ausgestrahlte Licht ist ein Maß für seine Temperatur. Die Farbe (Wellenlänge) des ausgestrahlten Lichts ist auch bei unterschiedlichen Stoffen gleich. Man erhitzt einen Draht elektrisch, bis er dieselbe Glühfarbe erreicht hat wie der Körper, dessen Temperatur zu messen ist. Gemessen wird dabei der Stromfluß, der zur Erzielung der jeweiligen Glühfarbe nötig ist. Er wird auf einer in Celsius-Graden geeichten Skala abgelesen.

 

 

Schmelzpunkt, Siedepunkt, Erstarrungspunkt:

 

Beim Erwärmen oder Abkühlen eines Stoffes sind Schmelzpunkt, Siedepunkt und Erstarrungspunkt für ihn charakteristische Temperaturen, bei denen sich sein Aggregatzustand ändert (Stoffkonstanten). Am Schmelz- oder Flüssigkeitspunkt (Kurzzeichen: Fp) geht ein Stoff vom festen in den flüssigen Zustand über. Der umgekehrte Vorgang beim Abkühlen, der Übergang vom flüssigen in den festen Zustand, ist durch den Erstarrungspunkt (Kurzzeichen: Ep) charakterisiert. Die Temperatur, bei der eine Flüssigkeit gasförmig wird, ist ihr Koch- oder Siedepunkt (Kurzzeichen: Kp). Diese Temperaturen sind druckabhängig. Der Druck, bei dem sie gemessen wurden, muß daher stets angegeben werden. Bei Schmelz- und Erstarrungspunkten läßt man die Druckangabe meist weg, da die entstehende Ungenauigkeit gering ist.

Erhitzt man einen festen Stoff, dann bleibt seine Temperatur am Schmelz- und Siedepunkt lange Zeit konstant, da die zugeführte Wärme gebraucht wird, um die Atome oder Moleküle aus dem Gitter zu lösen bzw. in die Gasphase zu bringen. Bis dieser Vorgang abgeschlossen ist, steht keine Wärme für eine Temperaturerhöhung zur Verfügung. Beim Abkühlen wird am Erstarrungspunkt die beim Schmelzen zugeführte Wärme wieder frei, wenn sich die Atome oder Moleküle zum Kristallgitter ordnen. Daher bleibt auch in diesem Fall die Temperatur längere Zeit konstant.

Als charakteristische Größen eines Stoffes sind alle drei Temperaturen eine Hilfe bei seiner Identifizierung. Sie sind darüber hinaus ein Maß für seine Reinheit. Verunreinigungen erniedrigen den Schmelz- und Erstarrungspunkt. Der Siedepunkt wird erniedrigt, wenn die Verunreinigung einen höheren Dampfdruck hat als die untersuchte Flüssigkeit. Er wird erhöht, wenn der Dampfdruck der Verunreinigung niedriger ist.

Bestimmung des Schmelzpunktes:

Zur Messung von Schmelzpunkten gibt es verschiedene Schmelzpunktapparate. Sie sind entsprechend dem gewünschten Genauigkeitsgrad der Messung und dem notwendigen Temperaturbereich konstruiert.

Der einfache Schmelzpunktapparat und der Schmelzpunktapparat nach Thiele werden zu 3/5 mit einer Heizflüssigkeit - Paraffinöl oder Siliconöl - gefüllt. Ein Einschlußthermometer, dessen Skala eine 1 °C-Einteilung hat, wird mit dem Quecksilbervorratsgefäß in das Zentrum der Flüssigkeit gebracht. Es wird mit einem Korkstopfen, in den Entlüftungsschlitze geschnitten sind, befestigt. Die zu messende Substanz wird etwa 3 mm hoch in ein Schmelzpunktröhrchen, eine 7,5 cm lange Glaskapillare mit einem Durchmesser von 1 mm, eingefüllt. Das Röhrchen wird so in die Flüssigkeit eingetaucht, daß sich die Substanz unmittelbar neben der Quecksilberkugel befindet. Man heizt dann zunächst sehr schnell auf, um den ungefähren Schmelzpunkt (± 10°C) zu ermitteln. Man läßt anschließend abkühlen bis ca. 30°C unter den grob ermittelten Schmelzpunkt und bringt eine neue Probe in das Gerät. Nun erwärmt man um 1°C je Minute, um den exakten Schmelzpunkt zu erhalten. Den Schmelzvorgang beobachtet man möglichst mit einer Lupe. Viele Substanzen sintern, bevor sie schmelzen. Der Schmelzpunkt ist erreicht, wenn eine meniskusbildende Flüssigkeit entstanden ist, in der noch Kristalle schwimmen. Sie müssen ohne weitere Temperaturerhöhung schmelzen. Zur Überprüfung des gefundenen Schmelzpunktes läßt man wieder bis zur Verfestigung der Flüssigkeit abkühlen und wiederholt die Messung mit einer neuen Substanzprobe.

Der Kupferblock ist für Temperaturen zwischen 50°C und 700°C gedacht. Die Heizflüssigkeiten der zuvor besprochenen Geräte sind bei Temperaturen oberhalb von 300°C nicht verwendbar.

Bestimmung des Siedepunktes:
Die einfachste Methode, den Siedepunkt einer Flüssigkeit zu messen, ist, sie in einem Reagenzglas zu erhitzen, bis das Thermometer keine Temperaturzunahme mehr anzeigt. Die so erhaltenen Siedepunkte sind allerdings ungenau, und für brennbare, giftige oder ätzende Flüssigkeiten ist die Methode nicht geeignet. Daher wählt man meist eine Destillationsapparatur (Laborgeräte/Destillationszubehör) , in der man etwa 50 mL der Flüssigkeit so durch Erwärmen verdampft, daß in einer Sekunde ein Tropfen Flüssigkeit den Kühler verläßt. Überhitzen verfälscht das Meßergebnis. Während der Destillation liest man in Abständen von einer Minute die Temperatur der übergehenden Flüssigkeit ab und trägt sie in ein Temperatur-Zeit-Diagramm ein. Bei einer reinen Flüssigkeit zeigt das Diagramm eine Kurve, die den konstanten Siedepunkt und das Abfallen der Temperatur nach Ende der Destillation anzeigt. Liegt ein Gemisch zweier Flüssigkeiten vor, dann erhält man eine Kurve, die zunächst den Siedepunkt der tiefer siedenden Flüssigkeit anzeigt, dann den der höher siedenden. Anhand der Siedekurve kann man daher oft auch bestimmen, wie viele Komponenten ein Flüssigkeitsgemisch hat.

Bestimmung des Erstarrungspunktes:
Man füllt ein Reagenzglas (Eprivette) mit der zu untersuchenden Flüssigkeit und bringt es in eine Apparatur, wie sie in Abb. 10-8 dargestellt ist. Je nach Lage des Erstarrungspunktes kühlt man unter Rühren mit Luft oder einer Kältemischung. Die Temperatur wird in Abständen von einer Minute abgelesen und in ein Temperatur-Zeit-Diagramm eingetragen. Beim Erreichen des Erstarrungspunktes bleibt die Temperatur konstant, bis die Substanz völlig in den festen Zustand übergegangen ist. Wenn zu Beginn der Kristallisation eine Temperaturerhöhung stattfindet, dann spricht man von einer unterkühlten Schmelze.



 
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